Schaffner 31. Juli 2009
Wenige Städte haben sehr gute Gründe, über ein schlecht ausgebautes U-Bahn-System zu verfügen. Rom ist eine davon.
Neben komplizierteren Planungen und Geldnot ist die ewige Stadt am Tiber nicht nur oberirdisch ein Museum. Archäologische Überreste allerorts sorgten und sorgen immer noch bei den Bauarbeiten für Probleme.
Heute verfügt Rom lediglich über zwei U-Bahn-Linien. Die heutige Linie B, eröffnet 1955, von Laurentina im Süden nach Rebibbia im Nordosten und die Linie A, eröffnet 1980, von Anagnina im Südosten nach Battistini im Nordwesten (nach jeweiligen Verlängerungen). Beide Linien kreuzen den Hauptbahnhof Termini, der dadurch vor allem zu den Hauptverkehrszeiten hoffnungslos überlastet ist. Eine Verlängerung bzw. ein Abzweig der Line B ist in Bau (Linie B1), ebenso eine neue Linie C, deren Fertigstellung aber sicher noch einige Jahre auf sich warten lässt.
Das Abenteuer mit der Metropolitana oder kurz Met.Ro ist schon ab einem Euro zu haben. Dieser günstige Preis führt auch dazu, dass sich die Tageskarte für vier Euro und die 3-Tageskarte für elf Euro kaum rechnen. Das Umsteigen in den Bus ist erlaubt. Übrigens sind die Fahrkartenautomaten auch eine verlässliche Ticketquelle für andere öffentliche Verkehrsmittel, da es z.B. nicht in allen Bussen möglich ist, einen Fahrschein zu erwerben.
Der Service wird von Montag bis Freitag zwischen 5:30 Uhr und 23:30 Uhr angeboten, in den Nächten zu Samstag und Sonntag bis etwa 1:30 Uhr. Damit scheidet die Met.Ro häufig für die Rückkehr in der Nacht aus. Dann wird es erst wirklich abenteuerlich, wenn es heißt, in einen Bus umzusteigen. Der Italiener würde hier sagen „fa morire“, was so viel heißt wie „sterben lassen“. Aber das wäre ja eher etwas für das Bus-Blog oder so.
Landet man mit dem Flieger in Ciampino, ist der Buszubringer allerdings zu empfehlen, auch wenn etwas oder etwas mehr Geduld gefragt ist. Man ist schließlich im Land des süßen Lebens und nicht in dem der Fahrpläne. Für nur 1,20 Euro fährt der Bus direkt zur Station Anagnina der Linie A. Hier ist der erste Eindruck durchaus positiv: eine skurril-gelblich erstrahlte Station, die einen alte Straßenbahn in ihrem Zentrum zu neuen Ehren bringt. Hinzu kommt der günstige Preis an der biglietteria automatica – dem Fahrkartenautomaten, der sogar Deutsch versteht.
Schließlich steigt man in einen klimatisierten Raum und denkt, man befindet sich wieder im Flieger mit dem orange-weißen Plastik. Ebenso freie Platzwahl und keine Getränke. Die Kühle weiß man besonders bei Temperaturen über 35 Grad sehr zu schätzen. Dazu laufen auf Monitoren, neben durchaus kreativen Cartoons, auch Spots, die auf Diebe aufmerksam machen. Dazwischen gibt es noch mehr oder weniger lustige Pleiten-Pech-und-Pannen-Videos. Möchte man lieber etwas lesen, bietet das Projekt subway LETTERATURA kostenlos kleine Heftchen mit Lyrik oder Prosa – wenn auch auf Italienisch. Kurzum - der Fahrgast hat nicht viel zu meckern.
Ein Highlight auf der Strecke der Linie A ist die Überquerung des Tibers. Hier erkennt man schließlich, dass die Fensterscheiben passend zu den Sonnenbrillen der Italiener getönt sind, um noch wenigstens ein Klischee zu bedienen.

Doch damit hat es sich für den Fahrgast schön erschöpft. Auf den meisten Bahnhöfen herrscht Langeweile: monoton gestaltete U-Bahnhöfe, denen ihre Entstehungszeit anzusehen ist. Im Dutzend geplant – im Dutzend gebaut. Ohne die Stationsschilder wären sie kaum zu unterscheiden.
Aus den Lautsprecheransagen hat man die fremdsprachigen Touristen verbannt. Nach den Stationsnamen folgt stets das monotone „uscita lato destro“ oder „uscita lato sinistro“ (Ausstieg rechte Seite bzw. linke Seite). In der B-Note ein Pluspunkt für die italienische Atmosphäre, der in der A-Note aber sogleich abgezogen werden muss. Nicht jeder Tourist versteht schließlich Italienisch.
Auf der Linie B wähnt man sich in der zweiten oder gar dritten Klasse. Hier sind noch die U-Bahnen älterer Bauart im Einsatz, die bei subtropischen Temperaturen den Eindruck einer Unisex-Sauna nicht verdrängen können. Dies wird ergänzt durch bunte Tags an allen Orten.
Im Sonnenschein erzeugt dies mitunter ein interessantes Farbspiel in den Fenstern, aber dem Äußeren der U-Bahnen steht das farbenfrohe Kleid überaus schlecht.
Am Ende bleibt ein ernüchterndes Fazit. Der verkorkste Anfang mit der unattraktiven Linie B in monotoner Bauweise wurde gemacht, eine leichte Steigerung kam mit der Linie A, aber aus dem Lautsprecher schallt ein „Uscita: incerta“ („Ausgang: ungewiss“).
PRO
- komfortabel in der Linie A, dazu günstig
CONTRA
- langweilige und monotone Bauweise
- drittklassige Line B
- nur zwei Linien

Der U-Bahn-Blog-Test: Rom.
Für zwei Linien erhält die Met.Ro im Ergebnis auch nur zwei U-Bahnwaggons.
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Tags: Metropolitana di Roma, Rom, U-Bahn, U-Bahn-Blog-Test